46
2 Spezifikation und Modellierung
2.3.1 Anwendungsfälle
Für viele Entwürfe ist es nützlich, Wissen über die potenziellen Verwendungsmöglichkeiten des Systems nutzen zu könnnen. Dieses Wissen wird in Anwendungsfällen (engl. use cases) festgehalten. Anwendungsfälle beschreiben mögliche Anwendungen des Systems; hierfür können unterschiedliche Darstellungsarten zum Einsatz
kommen.
Das Ziel des UML-Standards [435, 166, 208] ist es, einen systematischen Ansatz
für die ersten Spezifikationsphasen zu bieten. UML steht für „Unified Modeling
Language” und wurde von führenden Softwareexperten entwickelt. Die verfügbaren
kommerziellen Werkzeuge dienen hauptsächlich der Unterstützung des Softwareentwurfsprozesses. UML stellt dafür eine standardisierte Form von Anwendungsfällen
zur Verfügung.
Anwendungsfälle besitzen weder ein genau spezifiziertes Berechnungsmodell
noch ein präzise spezifiziertes Kommunikationsmodell. Häufig wird behauptet, dies
sei eine absichtliche Einschränkung, um zu vermeiden, dass sich Entwickler in den
frühen Entwurfsphasen zu viele Gedanken über Details machen.
Beispiel 2.3: In Abb. 2.6 sind einige Anwendungsfälle für einen Anrufbeantworter
zu sehen7. Es gibt fünf Anwendungsfälle für den Eigentümer des Anrufbeantworters
und einen für einen potentiellen Anrufer. Wir müssen sicherstellen, dass alle sechs
Fälle richtig implementiert werden.
Schalte Anrufbeantworter an
Lösche alle Nachrichten
Begrüßung+Piep+Nachricht
Lösche letzte Nachricht
Spiele nächste Nachricht
Schalte Anrufbeantworter aus
Benutzer
Anrufer
Abb. 2.6 Beispiel für Anwendungsfälle
∇
Anwendungsfälle ermöglichen es, verschiedene Klassen von Benutzern und Anwendungen, die das System unterstützen soll, voneinander zu unterscheiden. So ist
es möglich, die Erwartungen an ein System auf sehr abstrakter Ebene festzuhalten.
7 Wir gehen davon aus, dass UML ausführlich in einer Vorlesung über Software-Engineering
behandelt wird. Daher wird das Thema UML in diesem Buch nur kurz angerissen.
Précédent

- 69/485

Suivant